OTELO

OTELO LogoBericht von der Reise zu OTELO-Standorten in Österreich vom 21.-25.Januar 2015

OTELO – Abkürzung für „Offenes Technologielabor“ – ist ein Modell für die Entwicklung regionaler Potentiale – außerhalb der großen Städte. Ein OTELO ist ein offener Raum für kreative und technische Aktivitäten von Menschen jeden Alters und verschiedenster Interessenlagen. Grundlage dafür ist die Bereitstellung einer für die Nutzer kostenlosen Basisinfrastruktur (bestenfalls ein Gebäude der Kommune, finanziell getragen durch die Kommune). Ein zentrales Prinzip lautet „Druck raus-Lust rein.“ Es gibt keinen Erfolgsdruck und keine Zielvorgaben. Das war für uns Teilnehmer aus Deutschland neu, wurde aber im Lauf der Zeit als wohltuend und kreativitätssteigernd erkannt. „Nichts muss, alles kann.“ Es geht darum, das zu tun, was man „wirklich wirklich will“ und darum, mit Gleichgesinnten etwas zu erschaffen. Damit einhergehend entsteht Begeisterung und Freude am Miteinander-kreativ-Sein. Davon konnten wir – eine Reisegruppe von 17 Personen aus Brandenburg, Berlin und Polen – uns vor Ort überzeugen. In Österreich ist das OTELO-Konzept schon an vielen Standorten umgesetzt worden, 5 OTELOS – im Raum Linz und Gmunden – wurden besucht. Das Spektrum der Aktivitäten ist so vielfältig wie die Menschen, die damit befasst sind: Nähwerkstatt, Repaircafé, Kostnix- und Kostbar-Laden, Fahrradwerkstatt, Malwerkstatt, Theatergruppe, Yoga, Hypnose, Babymassage, Kräuterkunde, Sushi-Küche, Kochworkshops von Asylbewerbern für Österreicher, Programmieren, Lichtmalerei, Elektronikbasteln, freie Energie, freies Radio und Fernsehen, 3-D-Druck, Transition-Bewegung, Permakultur, solidarische Landwirtschaft usw. Es gibt Denkbars und Workshops zu den verschiedensten Themen – immer von den Teilnehmern selbst initiiert und organisiert – es wird der Raum und die Kommunikationsplattform zur Verfügung gestellt. OTELO funktioniert über alle Altersgruppen hinweg. So waren z.B. beim Repaircafé sowohl Schüler als auch Pensionäre im Einsatz. OTELO ist für vielfältigste Kooperationen offen, achtet jedoch auf die Wahrung der Freiheit und Unabhängigkeit. Letztlich können daraus auch Projekte entstehen und Einkommen generiert werden. Auch Unternehmen sind an den OTELOs interessiert und sponsern z.B. die technische Ausstattung. Die besuchten Orte waren z.T. ähnlich wie Oderberg, überschuldet und vom demografischen Wandel, Leerstand und Wegzug, betroffen. Mit den OTELOS kann hier gegengesteuert werden. Das kreative Potential, das in jedem und jeder steckt, kann zur Entfaltung kommen und es wird eine wertschätzende Kultur des Miteinanders gelebt. Letztlich schafft das Verbundenheit und Zusammenhalt – entspanntes Arbeiten, da wo und mit wem man gern sein will. Wirtschaftliche Tätigkeit erfolgt auf genossenschaftlicher Basis. Auch dazu gab es ausführliche Informationen. Das OTELO-Konzept ist in Österreich weithin anerkannt und hat dort einen ca. 4 jährigen Entwicklungs- und Erfahrungsprozess durchlaufen, von dessen Ergebnissen, wir in Deutschland (und insbesondere in Oderberg) profitieren könnten. Wir können uns deshalb nach dieser Reise noch besser als vorher vorstellen, dass in Oderberg z.B. das Rathaus ein OTELO werden könnte. Angesichts der Bekanntheit des OTELO-Begriffs und der Informationsmöglichkeiten dazu plädieren wir dafür, auch genau diesen Begriff zu verwenden. Eine Bürgermeisterin in Österreich sagte: „OTELO, das enthält alles, da brauchen wir uns nichts neues ausdenken.“ Die OTELO Charta, als allgemeinverbindliche Handlungsgrundlage, ist hier beigefügt.

(Solveig Opfermann)

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