Neue Perspektiven für Oderberg?

Oderberg hat was. Das finden die meisten Menschen, Einheimische und Besucher gleichermaßen. Das besondere Zusammentreffen von Berg, Fluss und Altstadt ist hierzulande ohnegleichen. Die bedeutungsvolle Historie hängt in den Gässchen und Gemäuern und macht den Charme des Städtchens aus. Angesichts des sichtbaren Verfalls neigt man jedoch zu Melancholie.

Fragt man Kenner von Oderberg, kommt schnell die Sprache auf Dinge, die in der jüngeren Vergangenheit nicht gut gelaufen sind: Fehlentscheidungen, vertane Chancen, Straßenbaustellen, Hangrutsche, ein Rathaus, das keins mehr ist, immer weniger Einwohner – alles Katastrophen, die die Stadt mehr als andere heimsuchten. Als gravierendste Folge bleibt die extreme Überschuldung. Die Kommune ist quasi handlungsunfähig. Das was Stadt und Amt leisten können, ist weniger als das Nötigste. Das ist bitter spürbar in Oderberg, wo man abends die Taschenlampe mitnehmen muss, weil die Straßenbeleuchtung abgeschaltet ist.

Das alles zu akzeptieren, ist für die Oderberger Bürger ein schwer verdaulicher Brocken, denn sie hängen an ihrer Stadt. Der Niedergang macht allen zu schaffen und betrübt auch die immer noch zahlreichen Besucher, von denen viele ihren ganz persönlichen Bezug zum Städtchen an der Alten Oder haben. Kommt man ins Gespräch, gibt es oft Tipps und Ideen, was getan werden müsste. Besonders die Oderberger selbst haben ein Gespür dafür, was ihrer Stadt gut tun würde. Bei den Einwohnerforen und Umfragen in den letzten Jahren kamen viele gute Vorschläge zusammen. Allerdings ohne dass viel passierte. Der Grund: In Oderberg ticken die Uhren anders. Es gibt keine leistungsfähige Verwaltung, die nur das Wohl der Stadt im Auge hat, so wie es in den benachbarten aufblühenden Städten der Fall sein mag. Nur mühsam gestaltet sich das Zusammenwirken der ehrenamtlichen Stadtverordneten mit dem Amt im weit entfernten Britz. Das Amt, das sich um viele Gemeinden zu kümmern hat, macht den Eindruck des Entennestes aus dem Märchen, wobei man Oderberg als das hässliche Entlein ausgemacht hat…. Man kann diesen Zustand sicher beklagen, nur ändern wird man ihn so bald nicht.

Die Oderberger lassen sich nicht so leicht unterkriegen. Sie waren in wechselvollen Zeiten schon immer in eigener Sache engagiert, egal welcher politische Wind gerade wehte. Die zahlreichen Vereine der Stadt – immerhin 22 – sind dafür ein sicheres Zeichen. Einige haben dort Verantwortung übernommen, wo die Kommune überfordert war. Andere stellen unermüdlich gut besuchte Veranstaltungen auf die Beine. Geselligkeit wird groß geschrieben. So sollte es ein kurzer Schritt sein zum großen Miteinander zum Wohle der Stadt. Doch da gibt es Hindernisse: Der Blick zurück erinnert mehr an die schlechten als die guten Erfahrungen. So ist denn das Vertrauen in die Zukunft und auch zu einander derzeit noch ein rares Gut im Städtchen. Oderberg braucht aber die Zuversicht seiner Bewohner. Es ist nötig, die Blickrichtung zu wechseln, um neue Möglichkeiten zu sehen und neues Vertrauen zu wagen, so schwer das im Einzelnen auch fallen mag. Nur so kann sich für Oderberg eine neue Perspektive ergeben.

Die Initiative „Perspektive Oderberg“ lädt alle Interessierten ein, sich gemeinsam für das Gelingen der Idee einer lebenswerten Stadt einzusetzen. Sie können das auf vielfältige Weise tun, z.B.

  1. indem Sie mit uns über die Zukunft der Stadt ins Gespräch kommen und einfach mitmachen. Unsere Beratungen finden monatlich 1-2 mal statt. Wir informieren darüber in der Presse und vor Ort.
  2. indem Sie in einer Arbeitsgruppe mitwirken,  (z.B. für den Arbeitseinsatz im Oktober oder den Sternenmarkt vor dem 4. Advent)
  3. indem Sie für Oderberg etwas spenden. Es kann, aber muss kein Geld sein, gern auch ein Fisch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.